IsoBrick

HTBLA Braunau am Inn
Johannes Lindhorn, 05.02.2001
Johanna Regl, 27.10.2001
Nach mehrfachem recyceln kann Karton leider keine feste Struktur mehr bilden. Unsere Idee ist es, diesen Reststoff so zu modifizieren, dass er als Isoliermaterial in Form von wasser- und feuerfesten Bausteinen wiederverwendbar ist.

Projektbeschreibung

Ein immer größerer Anteil an Konsumprodukten wird mittlerweile Online vermarktet und geliefert. Gerade zur Weihnachtszeit werden die meisten Pakete online bestellt. Umso mehr Karton wird verwendet, um diese Produkte zu verpacken. Viele der Verpackungen werden nach dem einmaligen Gebrauch entsorgt. So entstehen Unmengen an Altkarton, welcher zum Glück recycelt werden kann. Jedoch gibt es da einen Haken. Karton besteht zum Großteil aus pflanzlichen Fasern. Bei jedem Recycling-Vorgang werden diese Faserstrukturen kürzer. Je öfter recycliert wird, desto schlechter werden die Eigenschaften des Kartons. Würde man aus reinem Recyclingmaterial einen neuen Karton herstellen, wären diese auf Dauer nicht mehr stabil und würden sehr leicht reißen. Um dies zu verhindern, wird entweder weniger des recycelten Stoffes in neuen Kartons verwendet, bzw. die zu kurzen und unbrauchbaren Fasern aus dem Produktionskreislauf abgetrennt und entsorgt. Dabei entstehen riesige Mengen Karton-Abfall, welcher einfach verbrannt wird. Dafür sollte es eine bessere Methode geben, denn so nutzlos kann diese einst so wertvolle Faser doch nicht sein. Und das ist sie auch nicht. Zwar ist sie nicht mehr in der Lage eine feste Struktur zu bilden, jedoch hat sie noch einige andere Eigenschaften. Eine wichtige, welche uns aufgefallen ist, ist dass die Kartonfasern einen außerordentlich guten Dämmwert haben, da sie immer noch viel Luft in ihrer Struktur einbauen. Eine solche Dämmung für Häuser gibt es bereits, jedoch ist diese aus neuer Cellulose und ist mit teilweise giftigen Chemikalien, wie Borsalzen, versetzt. Diese sind nötig, damit die Dämmung feuer- und wasserfest wird. Der Dämmstoff ist aber nun giftig geworden und kann auf Fauna und Flora schädigende Auswirkungen haben. Nun sahen wir es an uns, eine bessere und vor allem gesündere, naturfreundlichere und umweltschonende Möglichkeit der Isolierung zu entwickeln. Nach einigen Versuchen und Recherchen stach uns das Brandschutzmittel Natron-Wasserglas ins Auge. Dieses ist in seinem kristallinen Zustand nicht giftig und verhindert, dass die Cellulose Flammen fängt. Auch vor Feuchtigkeit schützt diese Kristallstruktur. Es ist, als würde das Wasserglas die Fasern mit einer feinen Schicht Quarz überziehen. Gleichzeitig bleiben Volumen und die Dämmeigenschaften der Holzfaser bestehen. Doch nicht überall werden Häuser so wie in Österreich und Deutschland gebaut, bei denen die Wände aus mehreren Schichten bestehen. In vielen Entwicklungsländern leben die Menschen in einfachsten Bauten, ohne Isolierung. Im Kern Afrikas zum Beispiel sind die Menschen täglich extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Um diese auszugleichen und das alltägliche Leben zu erleichtern, werden oft teure, stromfressende Klimaanlagen verwendet oder nachts mit den wenigen vorhandenen Bäumen geheizt. Durch diese Vorgehensweise wird die Desertifikation in diesen Regionen immer weiter vorangetrieben. Eine einfache Lösung wäre es, die Häuser besser zu isolieren, sodass sie ihre Temperatur besser halten können. Das Bauen solcher Häuser ist dort aber viel zu teuer, da die Ressourcen fehlen. Unser Ziel war nun, einen Ziegel herzustellen, mit welchem dort Häuser kostengünstig und einfach errichtet werden können. Um das isolierende Innenmaterial bauen wir, ebenfalls aus Karton und Gips, eine stabile, feuer- und wasserfeste Hülle. Die von der Industrie ungenutzten Karton Abfälle werden von uns modifiziert, gepresst und zu stabilen Blöcken verarbeitet. Mit unserer Möglichkeit der Dämmung aus Altstoffen, können wir einen Baustein fertigen, der stabil genug ist, Häuser daraus zu bauen und gleichzeitig noch die unglaublichen Isoliereigenschaften der Faserstruktur mit sich bringt. Dieser IsoBrick ist nicht nur stabil, sondern auch extrem feuerfest. Verschiedene durchgeführte Brandtests zeigen, dass unser Baustein 90 Minuten direkte Feuereinstrahlung problemlos standhält. Der IsoBrick ist also nicht nur gegen Flammen resistent, sondern schützt auch effektiv davor. Das Endprodukt sollte ein Baustein sein, der einerseits neue Möglichkeiten des Hausbauens aufzeigt und andererseits das momentane Müllproblem auf intelligente Weise reduziert. Im Vergleich zu konventionellen Ziegeln braucht die Herstellung unseres IsoBricks um Größenordnung weniger Energie, das Transportgewicht ist ebenfalls deutlich geringer und in der Verwendung kann dieser IsoBrick Ziegel – ähnlich wie ein Lego-Baustein – schneller und ohne großen Kraftaufwand verarbeitet werden.

Dokumente